Wenn der Fensterbauer den Mittelstand in die Zukunft einlädt

Bernhard Helbing zusammen mit Florian Arndt

Volles Haus: über über 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten die Veranstaltung

Florian Arndt - der KI Papst

Kein Podium, keine Distanz: Florian Arndt und Tobias Kern stellten sich an diesem Abend den Fragen der Unternehmerinnen und Unternehmer direkt

Dienstagabend, TMP Panorama – der Konferenzraum des Bad Langensalzaer Bauelementeherstellers. Wo sonst Projekte besprochen und Entscheidungen getroffen werden, saßen rund 80 Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Unstrut-Hainich-Kreis und stellten sich eine Frage: Lohnt sich Künstliche Intelligenz wirklich – oder ist das alles nur Hype? TMP Fenster + Türen und der BVMW Nordthüringen hatten gemeinsam eingeladen – und zusammen ein Zeichen gesetzt: Der Mittelstand in der Region wartet nicht ab. Er gestaltet.

Starke Partner für die Region

Die Zusammenarbeit zwischen TMP und dem BVMW Nordthüringen war an diesem Abend mehr als eine organisatorische Formalität. Thomas Hirt-Peterseim vom BVMW führte die Gäste souverän durch den Abend und sorgte dafür, dass aus einem Vortrag ein echter Austausch wurde. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft ist die Stimme des Mittelstands in Deutschland – und genau diese Stimme war es, die gemeinsam mit TMP dafür sorgte, dass das Thema KI nicht länger als Großkonzern-Thema abgetan werden kann. Beide Partner eint die Überzeugung: Was in Bad Langensalza funktioniert, kann im gesamten Unstrut-Hainich-Kreis funktionieren. Der Abend war ein Angebot an alle Betriebe der Region – mitzukommen.

Zwei Jahre Vorsprung

Während viele Betriebe in der Region das Thema KI noch vor sich herschieben, ist TMP seit rund zwei Jahren mittendrin. Gesellschafter Bernhard Helbing berichtete offen, wie es begann: In der Spitze gehen bei TMP mehr als 750 Bestellungen pro Arbeitswoche ein und aus. Auftragsbestätigungen, Lieferscheine, Lieferstatus – das alles musste früher manuell geprüft werden. Rund 20 Prozent der Dokumente enthielten Fehler, die Mitarbeiter aufwändig heraussuchen und korrigieren mussten.

Heute erledigt das eine KI. Sie prüft, gleicht ab, erinnert Lieferanten automatisch bei Abweichungen – und greift nur dann auf einen Menschen zurück, wenn sie selbst nicht weiterkommt. Der Grund für die Dringlichkeit: Teile, die morgens geliefert werden, sind nachmittags bereits verbaut. Fehler in der Lieferkette bedeuten bei TMP nicht Papierkram, sondern Produktionsstillstand. Dieses Risiko hat das Unternehmen damit drastisch reduziert.

Die freigewordenen Kapazitäten sind kein Selbstzweck. Sie fließen dort ein, wo Menschen wirklich gebraucht werden: in Beratung, Qualitätssicherung und Kundennähe. Passend dazu das Bild des Abends: Während im Panorama über die Zukunft der Arbeit diskutiert wurde, bauten die Kollegen in der Spätschicht nebenan weiter Fenster – so wie jeden Abend. Genau das ist der Punkt: KI ersetzt bei TMP nicht den Menschen. Sie schafft Raum dafür, dass er das tun kann, was wirklich zählt.

Florian Arndt: Praxis ohne Ausreden

Als Gastredner holte TMP gemeinsam mit dem BVMW an diesem Abend jemanden, der KI nicht erklärt, sondern lebt. Florian Arndt aus Mühlhausen – laut Fachmagazinen einer der bekanntesten KI-Praktiker im deutschen Mittelstand, Redner vor bis zu 5.000 Gästen, ehemaliger Berater des Bundeskanzleramts – stellte exakt 20 Anwendungen vor. Nicht als Demo, sondern als direkten Werkzeugkasten für Betriebe jeder Größe.

Für Handwerker zwischen Mühlhausen und Bad Langensalza konkret: Angebote automatisch kalkulieren nach Eingabe der Quadratmeterzahl. Materiallisten für jeden Auftrag fehlerfrei zusammenstellen. Fahrtenbücher führen, Protokolle tippen, E-Mails beantworten – alles automatisiert, viele Lösungen bereits für wenige Euro im Monat umsetzbar.

Arndt sprach auch über sein eigenes Unternehmen: 80 Prozent seiner eingehenden E-Mails beantwortet heute eine KI. Seine Firma produziert 30 Prozent mehr als zuvor – bei 250.000 Euro weniger Kosten pro Jahr. Vier Stellen wurden nicht neu besetzt.

Moderiert von Thomas Hirt-Peterseim, beantwortete Arndt mehr als ein Dutzend Fragen aus dem Publikum – direkt und ohne Schönreden. Auch zu Kosten, Grenzen und dem, was KI schlicht nicht kann: Fliesen legen, individuelle Handarbeit, Entscheidungen mit Menschenverstand. Die Runde diskutierte bis in den Abend.

Innovation als Haltung – gemeinsam in die Zukunft

Für TMP und den BVMW Nordthüringen war dieser Abend kein einmaliges Event, sondern ein Auftakt. Das Unternehmen, 1990 in Bad Langensalza gegründet, heute unter den Top 10 der deutschen Fensterhersteller und 2020 mit dem TOP-100-Siegel für Innovationsmanagement ausgezeichnet, versteht Fortschritt nicht als Option, sondern als Pflicht gegenüber Kunden, Mitarbeitern und Region. Der BVMW Nordthüringen bringt dabei das Netzwerk mit, das solche Impulse in die Fläche trägt – und mit Thomas Hirt-Peterseim einen Gastgeber, der den Dialog zwischen den Akteuren lebendig hält.

Wer bereit ist, als produzierender Mittelständler offen über eigene KI-Projekte zu berichten, Fehlerquoten beim Namen zu nennen und den eigenen Konferenzraum als Lernort für die Region zu öffnen – während nebenan die Spätschicht läuft – sendet ein klares Signal: Innovation entsteht nicht im Silicon Valley. Sie entsteht in Bad Langensalza.