Fenstermontage im Altbau: Einbau mit Anschlag nach RAL

Bestandsmauerwerk stellt eigene Anforderungen an die Montage: Anschlag statt stumpfer Laibung, staubiger Untergrund, unregelmäßige Fugenbreiten. Dieses Tutorial dokumentiert den TMP-Montagestandard für den Einbau eines Fensters im Altbau – in die Öffnung mit Anschlag, nach dem Stand der Technik. Nutzen Sie es als Referenz für Ihr Team und als Ergänzung zu unserem Tutorial Fenster nach RAL montieren im Neubau (stumpfer Anschlag). Zu jedem Arbeitsschritt springen Sie per Klick direkt an die passende Stelle im Montagevideo.

Komplettes Montagevideo ansehen (ca. 17 Min.)

Was im Altbau anders ist als im Neubau

Drei Besonderheiten bestimmen den Ablauf bei Anschlagmauerwerk – und genau daraus ergibt sich die Reihenfolge der Arbeitsschritte:

  • Der Anschlag: Das Fenster wird von innen gegen den Mauerwerksanschlag gesetzt. Die Schlagregendichtheit an den drei Anschlagseiten (rechts, oben, links) übernimmt ein vorkomprimiertes Dichtband – es gleicht dabei auch Unebenheiten des Bestandsmauerwerks aus.
  • Der Untergrund: Altes Mauerwerk ist staubig und sandend. Ohne Vorbehandlung mit Primer hält weder das Dichtband noch der Folienkleber zuverlässig.
  • Die Reihenfolge: Die äußere Abdichtungsfolie muss vor dem Einsetzen am Rahmen angebracht werden – steht das Fenster erst einmal am Anschlag, kommen Sie an die Klebeflächen nicht mehr heran.

Werkzeug und Material bereitlegen

Die Ausstattung für diesen Einbau:

  • Akkuschrauber und Schraubendreher
  • Unterlegplättchen und Montagekissen
  • Kuhfuß, Cuttermesser, Schere
  • Auspresspistole (Folienkleber) und Schaumpistole
  • Zollstock, Wasserwaage
  • Aushängewerkzeug für die Flügel
  • Primer und Sprühflasche

Im Video: Werkzeugübersicht (0:01)

Element vorbereiten – Griff montieren, Flügel aushängen

Abdeckrosette am Flügel drehen, Griff aufsetzen, in die 3-Uhr-Stellung (Öffnungsstellung) bringen und verschrauben. Auf der Bandseite den Achslagerstift ziehen und den Flügel aushängen. Den Flügel geschützt zur Seite stellen – immer etwas unterlegen (z. B. Pappe), nie direkt auf den harten Boden.

Im Video: Griff montieren und Flügel aushängen (0:43)

Anschlag primern und Kompriband vorbereiten

Den Blendrahmen auf die Böcke legen. Im Anschlagbereich sorgt ein vorkomprimiertes Dichtband dreiseitig – rechts, oben und links – für die Schlagregendichtheit. Weil Anschlag und Bestandsmauerwerk in der Regel stark stauben, wird die Klebefläche vorher mit Primer behandelt: Er bindet den Staub, und nach kurzem Ablüften hält das Kompriband zuverlässig, statt wieder abzufallen.

Im Video: Primer auftragen (1:36)

Äußere Abdichtungsfolie am Rahmen anbringen

Jetzt kommt der Schritt, der im Altbau über die Dichtheit entscheidet – und der zwingend vor dem Einsetzen passieren muss:

  • Schutzstreifen der Folie abziehen und die Klebefläche freilegen. Die Folie etwas länger zuschneiden und unten ein Stück über den Fensterbankanschluss überstehen lassen.
  • Die Folie kann in die Vertiefung des Rahmenprofils oder oben auf den Rahmen geklebt werden – beides ist fachlich richtig.
  • Bis zur Ecke hocharbeiten und die Folie dabei durchgehend gut andrücken.
  • An den Ecken eine „Nase" kleben: Die Folie nicht einfach um die Ecke legen, sondern überstehen lassen und die beiden Klebeflächen zu einem ca. 1,5–2 cm langen Ohr zusammenkleben. Diese Nase ist der entscheidende Kniff – sie lässt sich später in der Ecke sauber und dicht auf dem Baukörper verkleben.
  • An der zweiten Ecke identisch verfahren.

Im Video: Folie aufkleben (2:12) Ecken-Nasen kleben (3:40)

Kompriband gegen den Anschlag kleben

Ist der Primer abgetrocknet, wird das vorkomprimierte Dichtband gegen den Anschlag geklebt – auf der vorbehandelten Fläche hält es sofort und sicher. Danach ist das Element komplett vorbereitet.

Merksatz für die Kolonne: Steht das Fenster erst am Anschlag, gibt es keine Chance mehr, die Folie nachträglich anzubringen. Bei Anschlagmauerwerk gilt deshalb immer: erst Folie und Band, dann einsetzen.

Im Video: Kompriband ankleben (4:59)

Fenster einsetzen und unterfüttern

Das vorbereitete Element in die Öffnung stellen und Unterlegplättchen setzen. Die Plättchen erfüllen hier zwei Aufgaben: Sie dienen dem Ausrichten – und sie schaffen den nötigen Raum unterhalb des Fensterbankanschlussprofils, damit dieser Hohlraum später ausgeschäumt und die Fuge fachgerecht abgedichtet werden kann.

Anschließend die Montagekissen einsetzen und das Element fixieren. Dabei auf die späteren Bohrpunkte achten – ein Montagekissen, das beim Befestigen durchbohrt wird, ist ein teurer Flüchtigkeitsfehler.

Im Video: Einsetzen und fixieren (6:07)

Ausrichten – Waage, Anschlagmaß und Lot

Mit der Wasserwaage den Rahmen in die Waage bringen und bei Bedarf nachlegen. Vor dem Verschrauben zusätzlich kontrollieren, ob das Element umlaufend das gleiche Anschlagmaß hat – mit den Montagekissen (auch unten eingesetzt) lässt sich der Rahmen fein auf das gewünschte Maß justieren. Zum Schluss den lotrechten Sitz prüfen und ebenfalls über die Kissen korrigieren.

Im Video: Ausrichten mit Montagekissen (6:46)

Rahmen befestigen

Position der ersten Montageschraube kurz gegenkontrollieren, dann eindrehen. Weiter im oberen Bereich: Ist der Anschlag – wie im Bestand üblich – nicht ganz gerade, ein Unterlegplättchen als Ausgleich einlegen. Der Rest erledigt das Kompriband: Unebenheiten des Anschlags gleicht das vorkomprimierte Band aus – einer seiner großen Vorteile im Altbau.

  • Beim Setzen der weiteren Schrauben darauf achten, keinen Bauch in den Rahmen zu ziehen.
  • Vor der Gegenseite den lotrechten Stand des Elements prüfen.
  • Bohrpunkte so wählen, dass weder Montagekissen noch Unterfütterung getroffen werden; bei Bedarf an den Verschraubungen zusätzlich unterlegen.

Nach der Befestigung die Montagekissen entfernen und die Unterlegplättchen so drehen, dass sie beim anschließenden Folieren nicht im Weg sind.

Im Video: Erste Schraube setzen (8:00) Unebenheiten ausgleichen (8:41)

Fensterbankanschluss außen folieren

Die Brüstung gründlich abkehren – Staub ist der natürliche Feind jeder Verklebung. Dann die Folie am Fensterbankanschluss verkleben, im Eckbereich bewusst etwas länger lassen:

  • In höheren Geschossen lässt sich die Folie gut von innen verkleben – eine zweite Person, die die Folie hält, macht die Sache deutlich entspannter.
  • Folienkleber satt auftragen und z. B. mit einem Unterlegplättchen verteilen, dann die Folie andrücken.
  • In den Ecken kontrollieren, ob genug Kleber sitzt – im Zweifel die Spitze anheben und nachfüllen.

Warum hier Folie statt Kompriband? Anschlagmauerwerk im Bestand hat selten gleichmäßige Fugenbreiten. Ein Kompriband ist aber nur für einen bestimmten Fugenbereich ausgelegt – bei stark schwankenden Fugen ist die Folienabdichtung die sichere Wahl.

Im Video: Folie am Fensterbankanschluss (12:18) Warum Folie statt Band (13:22)

Fuge ausschäumen

Vor dem Schäumen die Klebe- und Haftflächen anfeuchten – im alten, saugenden und staubigen Mauerwerk ist das besonders wichtig. Einfach Wasser in die Sprühflasche und die Fuge benetzen; das bindet zusätzlich den Reststaub. Die Schaumdose kräftig schütteln (ca. 20-mal), damit sie aktiviert ist, dann die Fuge satt ausschäumen. Im Bereich der Unterfütterung und unter dem Fensterbankanschlussprofil bewusst ordentlich dosieren – alles wird anschließend von der Folie überdeckt.

Im Video: Anfeuchten und Ausschäumen (13:59)

Innere Abdichtung – zügig nach dem Schäumen

Direkt im Anschluss die innere Folie verkleben – der Schaum quillt weiter, hier zählt zügiges Arbeiten. Kleber auftragen, Folie andrücken. Kontakt zwischen Folie und frischem Schaum ist unkritisch; quillt Schaum heraus, einfach abstreichen. Zum Schluss die untere Folie verkleben.

Im Video: Innere Folie verkleben (14:57)

Flügel einhängen und Endmontage

Transportsicherungen entfernen – sie sitzen umlaufend im Rahmen und lassen sich gut herausnehmen. Dann den Flügel einhängen: auf den Achslagerstift des Ecklagers aufsetzen, den Flügel komplett in den Rahmen drücken, bis die Schere oben einrastet, und den Stift eindrücken, bis er hörbar klickt. Funktionsprüfung: Der Flügel muss sauber schließen.

  • Abdeckkappen auf die Montageschrauben klicken.
  • Wasserschlitzkappen aufdrücken – fertig.

Im Video: Flügel einhängen und Abschluss (16:20)

Stolperfallen aus dem Baustellenalltag

Die typischen Punkte, an denen Altbau-Montagen kippen:

  • Folie nach dem Einsetzen verkleben wollen: Beim Anschlagmauerwerk unmöglich – die Klebeflächen sind nicht mehr zugänglich. Reihenfolge einhalten: erst Folie und Band an den Rahmen, dann einsetzen.
  • Kompriband ohne Primer auf staubigen Anschlag: Das Band fällt wieder ab oder verliert langfristig die Haftung. Primer auftragen, kurz ablüften lassen.
  • Eck-Nasen vergessen: Ohne die zusammengeklebten Folien-Ohren an den Ecken lässt sich die Ecke später nicht dicht auf dem Baukörper verkleben.
  • Montagekissen durchbohrt: Bohrpunkte vor dem Fixieren mitdenken.
  • Kein Raum unter dem Fensterbankanschlussprofil: Ohne Unterfütterung lässt sich der Hohlraum weder ausschäumen noch fachgerecht abdichten.
  • Innere Folie zu spät verklebt: Der quellende Schaum drückt gegen die Abdichtungsebene – direkt nach dem Schäumen folieren.
  • Staubige Klebeflächen: Brüstung vor jedem Folierschritt abkehren; im Bestand doppelt wichtig.

Normen und Regelwerke im Überblick

Für die Vertiefung – die maßgeblichen Regelwerke zu diesem Einbau:

  • RAL-Leitfaden zur Montage („Leitfaden zur Planung und Ausführung der Montage von Fenstern und Haustüren", RAL-Gütegemeinschaft / ift Rosenheim) – Drei-Ebenen-Prinzip, Befestigung, Lastabtragung; gilt im Neubau wie in der Renovierung. Eine kompakte Einführung der ift-Autoren als Download: Fenster richtig montieren und abdichten (PDF, ift Rosenheim).
  • GEG (vormals EnEV) – fordert eine dauerhaft luftundurchlässige, nach den anerkannten Regeln der Technik abgedichtete Gebäudehülle einschließlich der Fugen – auch beim Fenstertausch im Bestand.
  • DIN 4108-7 – Luftdichtheit der Gebäudehülle; Grundlage für die innere Dichtebene.
  • DIN 18542 – imprägnierte Fugendichtungsbänder; für die schlagregendichte Ebene am Anschlag: Beanspruchungsgruppe BG R.
  • ift-Richtlinien MO-01/1 und MO-02/1 – Gebrauchstauglichkeit von Abdichtungs- bzw. Befestigungssystemen; Basis für den Eignungsnachweis der eingesetzten Materialien.

FAQ: Fenstermontage im Altbau

Warum wird der Anschlag vor dem Verkleben geprimert?

Bestandsmauerwerk staubt und sandet. Der Primer bindet den Staub und schafft eine tragfähige Klebefläche – erst dadurch haften Kompriband und Folienkleber dauerhaft. Nach kurzem Ablüften kann direkt verklebt werden.

Warum muss die äußere Folie vor dem Einsetzen an den Rahmen?

Beim Anschlagmauerwerk wird das Fenster von innen gegen den Anschlag gesetzt. Danach sind die äußeren Klebeflächen des Rahmens nicht mehr zugänglich – eine nachträgliche Folienabdichtung ist unmöglich. Deshalb gilt: erst Folie und Kompriband am Rahmen anbringen, dann einsetzen.

Wozu dienen die „Nasen" an den Folienecken?

An den Ecken wird die Folie nicht einfach umgelegt, sondern zu einem ca. 1,5–2 cm langen Ohr aus zwei zusammengeklebten Klebeflächen geformt. Diese Nase lässt sich nach dem Einbau flach in die Ecke legen und dicht auf dem Baukörper verkleben – ohne sie bleibt die Ecke die klassische Leckagestelle.

Warum Folie statt Kompriband am Fensterbankanschluss?

Kompribänder sind für einen definierten Fugenbereich ausgelegt. Im Bestand schwanken die Fugenbreiten am Anschlagmauerwerk aber häufig stark – die Folienabdichtung deckt diese Unterschiede sicher ab und ist deshalb hier die richtige Wahl.

Was leistet das vorkomprimierte Dichtband am Anschlag?

Es stellt dreiseitig (rechts, oben, links) die Schlagregendichtheit zwischen Rahmen und Anschlag her und gleicht dabei Unebenheiten des Bestandsmauerwerks aus – ein entscheidender Vorteil gegenüber starren Dichtsystemen im Altbau.

Warum wird das Mauerwerk vor dem Ausschäumen angefeuchtet?

Altes Mauerwerk ist saugend und staubig. Das Benetzen mit Wasser bindet den Reststaub und verbessert Haftung und Aushärtung des Montageschaums – auch der Folienkleber profitiert von leichter Restfeuchte.

Worin unterscheidet sich die Montage im Altbau vom Neubau?

Im Neubau (stumpfer Anschlag) wird ins lichte Rohbaumaß gebaut und die Abdichtung umlaufend gleich aufgebaut. Im Altbau kommen der Mauerwerksanschlag (Kompriband dreiseitig), die Untergrundvorbereitung mit Primer und die zwingende Reihenfolge „erst folieren, dann einsetzen" hinzu. Details zum Neubau-Einbau: Tutorial Fenster nach RAL montieren (Neubau).

Fazit

Die Altbau-Montage mit Anschlag entscheidet sich an der Vorbereitung: Primer auf die staubigen Klebeflächen, Kompriband dreiseitig gegen den Anschlag, äußere Folie mit Eck-Nasen an den Rahmen – alles bevor das Element in die Öffnung kommt. Danach folgen Ausrichten über die Montagekissen, verzugsfreie Befestigung mit Ausgleich der Anschlag-Unebenheiten und die Abdichtung von außen nach innen. Wer diese Reihenfolge verinnerlicht, montiert auch im unregelmäßigen Bestand dauerhaft dicht und reklamationsfrei.

Fragen zur Montage von TMP-Elementen? Ihr TMP-Ansprechpartner unterstützt Sie gerne – oder werfen Sie einen Blick in unsere weiteren Tutorials für Fachbetriebe und Montagepartner.


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